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Arbeitszeiten: Deutschland vs. Frankreich

  • 20. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Jan.

Was die Arbeitszeit in Deutschland anbelangt, kursieren in Frankreich nach wie vor zahlreiche Klischees: endlose Arbeitstage, starre Arbeitskultur, fehlende Pausen. Dies entspricht jedoch nicht unbedingt der Realität. Arbeitszeiten, Pausen, Organisation und Unternehmenskultur kennzeichnen ein sehr strukturiertes, aber nicht unbedingt intensiveres Verhältnis zur Arbeit. Will man die Arbeitszeiten besser verstehen, muss man über die Zahlen hinaus auf die konkreten Praktiken und die ihnen zugrunde liegenden Werte schauen.

 

Temps de travail en Allemagne

Arbeitszeit in Deutschland und Frankreich: der rechtliche Rahmen


Der rechtliche Rahmen für die Arbeitszeit in Deutschland unterscheidet sich von dem in Frankreich. Im Gegensatz zu Frankreich ist die gesetzliche Arbeitszeit nicht auf 35 Stunden pro Woche festgelegt. Deutsche Arbeitsverträge sehen je nach Branche und Tarifvertrag meist eine Wochenarbeitszeit zwischen 38 und 40 Stunden vor.


Die Arbeitszeit ist durch das deutsche Gesetz streng geregelt. Dieses soll die Gesundheit der Arbeitnehmer schützen und Überlastungen vermeiden. Die Bestimmungen regeln insbesondere die maximal zulässige tägliche Arbeitszeit (höchstens 8 Stunden) sowie die vorgeschriebenen Ruhezeiten.

 

Der Tagesablauf: die einen kommen früher, die anderen später


Einer der auffälligsten Unterschiede in der Arbeitszeitgestaltung liegt im Arbeitsalltag. Viele deutsche Arbeitnehmer beginnen ihren Arbeitstag sehr früh – häufig zwischen 6 und 8 Uhr. Diese Gewohnheit steht in starkem Kontrast zu Frankreich, wo der Arbeitstag im Büro meistens um 9 Uhr beginnt.


Ein früher Start in den Tag hat eine logische Folge: der Arbeitstag endet früher. In vielen deutschen Unternehmen ist es üblich, die Arbeit bereits am Nachmittag, manchmal schon um 15 oder 16 Uhr, zu beenden. Dieses Modell basiert auf einer einfachen Logik: Der Arbeitstag soll auf einen produktiven Zeitraum konzentriert und nicht künstlich in die Länge gezogen werden. In Frankreich verlassen viele ihr Büro erst gegen 18 Uhr.


In diesem Zusammenhang sollte noch ein weiterer Aspekt hervorgehoben werden: ein langer Tag im Büro wird in Deutschland nicht unbedingt honoriert. Im Gegenteil: Dies kann als Zeichen für eine schlechte Organisation oder mangelnde Effizienz interpretiert werden. In der deutschen Unternehmenskultur ist ein leistungsstarker Mitarbeitender jemand, der seine Aufgaben innerhalb der vorgegebenen Zeit erledigt – und nicht jemand, der möglichst viele Stunden im Büro verbringt. Diese Auffassung kann französische Mitarbeitende irritieren, da sie es häufig gewohnt sind, lange Arbeitszeiten mit beruflichem Engagement gleichzusetzen.

 

Die Mittagspause: ein großer Unterschied


Das Thema Pausen macht den Unterschied zwischen der französischen und der deutschen Denkweise besonders deutlich. In Deutschland ist die Mittagspause in der Regel kurz – sie dauert oft nur etwa 30 Minuten. Sie wird als zweckmäßige Unterbrechung angesehen: eine schnelle Mahlzeit, um anschließend wieder gut arbeiten zu können.


La pause déjeuner en France et en Allemagne

In Frankreich hingegen hat die Mittagspause eine zentrale soziale und kulturelle Bedeutung. Sie kann mehr als eine Stunde dauern und steht für Geselligkeit. Dieser Unterschied ist nicht ohne Bedeutung: Er offenbart zwei unterschiedliche Auffassungen vom Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit.


In Deutschland ...

  • ist die Pause in die Arbeitsorganisation integriert

  • dient die Pause der Aufrechterhaltung von Konzentration und Produktivität

  • ist die Pause selten Anlass für ausgedehnte Mahlzeiten


In Frankreich ...

  • bietet die Pause Zeit zum Durchatmen

  • fördert die Pause ungezwungene Gespräche

  • ist die Pause ein fester Bestandteil der Lebensqualität am Arbeitsplatz


Dieser Unterschied verdeutlicht zwei gegensätzliche Zeitvorstellungen. In Deutschland macht man zwar auch eine Pause, jedoch ist diese kurz und zweckmäßig. In Frankreich hingegen markiert die Mittagspause eine fast symbolische Unterbrechung zwischen Berufs- und Privatleben mitten am Arbeitstag.

 

Geregelte Flexibilität


Entgegen gängiger Vorurteile ist die Arbeitszeit in Deutschland nicht von absoluter Starre geprägt. Viele Unternehmen bieten flexible Arbeitszeitmodelle an, wobei jedoch bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden müssen. Zum Beispiel ermöglichen Gleitzeitsysteme den Mitarbeitenden, ihre Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, solange die vertraglich vereinbarte Stundenzahl innerhalb eines bestimmten Zeitraums eingehalten wird.


Diese strukturierte Flexibilität geht oft mit einem im Vergleich zu Frankreich eher horizontalen Führungsstil einher. Die Hierarchien sind in der Regel weniger formell und es wird eine direkte Kommunikation angestrebt.


In Deutschland ist die Arbeitszeit eng mit dem Gedanken der kollektiven Effizienz verbunden. Es geht darum, die Zeit bestmöglich zu nutzen. Lange Besprechungen ohne eine ausreichend präzise Tagesordnung oder zu lange informelle Gespräche werden oft als kontraproduktiv wahrgenommen.


Für eine deutsch-französische Zusammenarbeit ist es wichtig, die Unterschiede in Bezug auf den Arbeitsalltag zu verstehen. Eine Anpassung der Kommunikationsweise und die Berücksichtigung des Verhältnisses des Geschäftspartners zur Zeit können dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden und die Zusammenarbeit zu verbessern.

 

Fazit


Collaboration franco-allemand

Ein Vergleich der Arbeitszeiten in Deutschland und Frankreich zeigt, dass die Unterschiede nicht nur auf gesetzlichen Vorschriften oder vertraglich festgelegten Arbeitszeiten beruhen. Sie spiegeln in erster Linie unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit und Zeit wider. In Deutschland liegt der Schwerpunkt auf Effizienz und kurzen Pausen, um früher Feierabend zu machen, während in Frankreich die Mittagspause ein zentraler Bestandteil der Work-Life-Balance ist.


Für eine erfolgreiche deutsch-französische Zusammenarbeit ist die Berücksichtigung dieser Unterschiede von großer Bedeutung. Die Bedeutung der Mittagspause zu verstehen, bedeutet auch, den Ablauf eines Arbeitstages auf der anderen Seite des Rheins zu verstehen ... und Missverständnisse zu vermeiden, die manchmal schon am Mittagstisch beginnen.

 


Quellen



 
 
 

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